„Unser Handwerk verdient Vertrauen“ – Sassenrath lädt ein zur Runde mit Handwerksbetrieben
Bereits um 8:00 Uhr morgens steht Carl-Philipp Sassenrath in der Wurstverarbeitung der Metzgerei Herten am Baldhof. Bernd Herten schildert den Produktionsablauf und die Herausforderungen dieser Tage. Dabei seien für ihn nicht vor allem die Energiepreise die Kostentreiber. Zur Optimierung des Energiebedarfs habe er zudem einen „Energiemanager“, aber bei vielen Informationspflichten hinterfrage er schon den Sinn und die Verhältnismäßigkeit.
Um 8:30 Uhr treffen dann weitere Handwerksunternehmer bei Herten zum Austausch mit dem Direktkandidaten der CDU für den Wahlkreis Neuss I zusammen. Auch Thomas Gütgens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, ist der Einladung gerne gefolgt. Der Austausch habe bereits mit Hermann Gröhe bestens funktioniert, die Fortsetzung begrüßt er sehr. Man müsse in engem Austausch stehen, damit man etwas bewirke – beispielsweise, dass man gemeinsam für das Gleichgewicht der beruflichen und akademischen Bildung Sorge trage, so Gütgens. Er bedauerte, dass wichtige Fördermittel für die Ausbildung und die Förderung von Nachwuchskräften stark gekürzt werden.
Um dem Fachkräfte- und Azubimangel zu begegnen, müssen Eltern, Schule und die Politik ernsthaft umdenken. Es gelte, die Attraktivität des Handwerks systematisch zu kommunizieren und die Aus- und Fortbildung zu fördern. Thomas Gütgens: „Es ist nicht gerecht, dass die Meisterschule viel Geld kostet und der Studienplatz als solcher kostenfrei ist.“
Heizungs- und Sanitärunternehmer Christoph Linden berichtet, dass nach der Einführung des Gebäudeenergiegesetzes nicht der erwartete Boom auf die Wärmepumpen einsetzte, sondern vielmehr waren Brennwertfeuerstätten mit fossilen Brennstoffen gefragt. Dies führte in diesem Bereich zu langen Lieferzeiten, da die Hersteller auf den Boom der Wärmepumpe gesetzt hatten. Inzwischen steigt der Absatz der Wärmepumpen allerdings wieder.
Nicht nur in diesem Zusammenhang fordern alle Teilnehmer, dass vor der Gesetzgebung die praktischen Auswirkungen für die Betriebe mit beachtet werden. In Sachen Formalismus und Bürokratie können Friseurmeisterin Güres Yildiz, Elektromeister Frank Kucks und Schreinermeister Stefan Sahnen anschauliche Beispiele einbringen, die zum Kopfschütteln oder zur Fassungslosigkeit beitragen. Von der Bonpflicht über die Widerrufsbelehrung vor Ort bis hin zum Einreichen einer Gewerbeanmeldung nach 35-jähriger Selbstständigkeit – mangels Vernetzung der Ämter – sind viele Beispiele dabei.
Sassenrath möchte zukünftig noch mehr die Auswirkungen bei Gesetzesvorhaben prüfen und die Ergebnisse dieser Praxischecks vor Ort in die Arbeit der Fraktion einbringen. Sassenrath weiter: „Unser Handwerk verdient Vertrauen. Das bedeutet: weniger Bürokratie. Dafür werde ich mich persönlich stark einsetzen. Das Handwerk und seine Ausbildungsberufe brauchen mehr Rückendeckung. Und das klare Signal aus der Politik: Fleiß und Leistung lohnen sich.“
Begleitet und organisatorisch unterstützt wurde Sassenrath vom Kandidaten für den Baldhof bei der Neusser Kommunalwahl, Dirk Bongards. Dieser nutzte die Gelegenheit der Runde, um auf die kommunal veranlagten Herausforderungen der Handwerksbetriebe zu sprechen zu kommen. Schmerzthema hier: die Parkplatzsituation.
Das Resümee der Veranstaltung war, so die beiden Politiker: Der unmittelbare Austausch sei ein Muss, man wisse einfach nicht immer um die tatsächlichen Auswirkungen und müsse diese viel stärker und früher berücksichtigen. Das gelinge nur im konstruktiven Gespräch. Alle Handwerksbetriebe und auch weitere begrüßten das Format und wünschten sich eine Fortsetzung.